Frauenzentrum

Die Situation der Frauen im Kongo

Das Schicksal vieler Frauen im Kongo ist von der katastrophalen Lage des Landes geprägt: Sie sind Opfer von Unwissenheit und Armut, von Ausbeutung und Gewalt. Die wenigsten von ihnen haben die Möglichkeit, ihre Lage aus eigener Kraft zu verändern. Nur 27 % der Kinder im Kongo gehen zur Schule. Viele Mädchen werden in jungen Jahren verheiratet, viele Frauen bringen acht und mehr Kinder zur Welt und tragen die Hauptlast der Familienversorgung. Ihr Leben lang sind sie gefangen im Teufelskreis aus unvorstellbarer Unwissenheit und Armut. Krieg und unermessliches Leid machen immer wieder die Pflanzen des Neuanfangs zunichte.

 

Frauen leiden am meisten – und können am meisten bewirken. Sie sind das Rückgrat der Familie, der Dorfgemeinschaft und des kirchlichen Lebens. Frauen erweisen sich oft als zuverlässiger und kreditwürdiger als Männer. Wo sie gefördert werden, werden Familien und Dorfgemeinschaften gefördert.

 

Das Frauenzentrum der Lutherischen Kirche im Kongo

Dies ist der Hintergrund, warum im März 2009 das Frauenzentrum der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Kongo (EELCo) eröffnet wurde. Es soll ein Zentrum sein, in dem regelmäßig Gruppen von Multiplikatorinnen geschult werden, die wiederum Frauen in den Dörfern und Städten schulen und ermutigen können. Ein Zentrum, das in kompakter Form die unverzichtbare Grundbildung in wesentlichen Bereichen vermittelt: Sprache, Medizin, Familie, Finanzen, Handwerk, Landwirtschaft, Entwicklung, Geschichte, Theologie und Kirche. Ziel ist es, Gruppen von jeweils 15 ausgewählten Frauen zu schulen, mit praxisrelevantem Wissen und Material auszustatten und so die Entwicklung von (Dorf-) Gemeinschaften voranzubringen.

 

Das Frauenzentrum wurde als Projekt von FPC (= Femmes pour Christ, die Frauenarbeit der Lutherischen Kirche im Kongo) geboren. Konzipiert war es als zentrales Projekt der Kirche, da es regional nicht leistbar erschien. Als geeigneter Ort wurde das Terrain von IAFTA, dem Theologischen College der Kirche, in Kimbeimbe bei Lubumbashi ausgewählt. Der Standort vereint Großstadtnähe mit ländlicher Ruhe, Internetzugang mit Landwirtschaft. IAFTA stellt die komplette Infrastruktur zur Verfügung: Strom, Wasser, Internet, Bibliothek, Kapelle, Transport usw. Der Standort erlaubt eine Verzahnung mit der bereits bestehenden Ausbildung der Studentenfrauen, mit diversen Projekten (Fischteiche, Hühnerzucht, Brotbacken usw.) und mit kirchlichen Ereignissen (Konferenzen, Jugendtage, Synode usw.).

 

Von März bis Juni 2009 konnte der erste Kurs mit 15 Multiplikatorinnen der lutherischen Kirche durchgeführt werden. Unter der Leitung von Sister Kabondo und einem Frauenkomitee unterrichtete eine Vielzahl von Dozentinnen vier Monate lang jeweils 25 Wochenstunden ein breit gefächertes Programm. Die Resonanz war beeindruckend: Nach drei Monaten organisierten die Teilnehmerinnen eine Ausstellung der Handarbeiten, die sie im Lauf der Kurse erlernt und fertiggestellt hatten. Die Ausstellung wurde auch im kongolesischen Fernsehen ausgestrahlt. Inzwischen sind die Frauen in ihre Heimatdiözesen zurückgekehrt und initiieren dort Projekte.

 

Dieser erste Kurs wurde von Mission EineWelt und Partnerschaftsgruppen aus Bayern gesponsert; sie haben in Aussicht gestellt, auch in den nächsten beiden Jahren je einen Vier-Monats-Kurs zu fördern.